Die Rumstadt Flensburg.

Eine sehr kleine Chronik.


Es ist über 775 Jahre her, als die Fischer, Jäger und Sammler aus Ihren Dorfsiedlungen die Stadt Flensburg gründeten. Sie wurden zu Seefahrern und Händlern und erschlossen im 13. Jahrhundert den Ostseehandel. Das 14. Jhdt. war geprägt von Kriegen und der Pest, die den Ostseehandel fast zum erliegen brachten.
Zum Ende des Jhdt. hin vereinigte Königin Margarethe Dänemark, Schweden und Norwegen zur Kalmarer Union, und kaufte nach dem Tod der Herzogs von Schleswig, große Landstriche des Herzogtums.

Flensburg zählte 2000 Einwohner als dann 1490 die Herzogtümer Schleswig und Holstein geteilt wurden, und viel in den königlichen Teil zu Dänemark.

Westindien

Zu dieser Zeit in Spanien sorgte Christoph Kolumbus unbewusst für die Grundsteinlegung des Titels "Rumstadt Flensburg" und die Namen "Westindien" und "Indianer".

Kolumbus verhandelte mit der spanische Königin Isabella über eine Segeltour nach Indien, wo er Schätze wie Diamanten, Edelsteine und Perlen vermutete. Er setzte seine Überzeugung durch, nach Westen segeln zu können um Indien zu erreichen. Von Palos de la Frontera in Spanien stachen 3 Segelschiffe im August 1492 in See Richtung Indien.
Wer den Globus kennt weiß, Amerika lag im weg. Angekommen in der Karibik mit der Überzeugung das asiatische Festland erreicht zu haben, segelt Kolumbus 2 Jahre später wieder zu den danach benannten West-Indischen Inseln mit Zuckerrohr.
Zu den Westindischen Inseln, gehören u.a. die großen Inseln, z. B. Kuba, Jamaika und Trinidad, sowie die vielen kleinen, darunter St. Croix, St. Thomas und St. John.
Zucker und Rum aus Zuckerrohr sollten die nie gefundenen Schätze werden.

Die Dänisch-Westindischen Inseln

1671, als aus Kopenhagen schon 20 Jahre dänische Schiffe Handel mit Westindien trieben, annektierte die Dänische Westindien-Kompanie die Insel St. Thomas, die zum Knotenpunkt des Westindienhandels wurde. 30 Jahre später erweiterte sich der dänische Besitz um St. Jan und St. Croix. Bis 1802 steuerten die Handelsschiffe aus Kopenhagen für den Sklavenhandel die Karibik im Dreieckshandel über Afrika an.
Trotz der schweren Umstände und des Krieges mit England, blieben die 3 Inseln bis zu ihrem Verkauf 1917 an die USA, dänisches Hoheitsgebiet.

Flensburgs Handel mit den Dänisch-Westindischen Inseln

1754 ging die Kolonie von der dänischen Handelskompanie an die dänische Krone und König Friedrich IV. erteilte im Jahr darauf die Handelsfreigabe für die Flensburger Seefahrer, die mit ihren 200 Schiffen als Handelsflotte immer noch in der Ostsee unterwegs waren.
Die Neptunus war es, die 1755 als erster Segler die Flensburger Förde Richtung Karibik verließ. Lebensmittel, Wein, Werkzeuge und Kleidung wurden als Handelsware mitgebracht, Ziegelsteine als Ballast. Der Ballast war für die Überquerung des Atlantiks erforderlich, da die Kopenhagener den Flensburgern den Dreieckshandel verwehrte.
Die begehrten Waren auf der Rückreise waren u.a. brauner Rohzucker, Rum, Tabak und Tropenhölzer. So konnte sich die Stadt aus Ihrer Verarmung im vorherigen Jhdt. wieder befreien. Mit der Verarbeitung des Rums gab es keine Probleme. In Flensburger waren schon im 17. Jahrhundert von 600 Familien in der Stadt 100 mit dem Brennen von Weinbränden beschäftigt. Und zum Ende des 18. Jhdt. blühte die Industrie in Flensburg so stark auf, dass jeder 3. Einwohner durch den Seehandel beschäftigt war. Neben der Zuckerproduktion und der Tabakfabrikation war es vor allem die Branntweinbrennerei mit ihren an die 200 kleinen und großen Brennereien, die für den wirtschaftlichen Erfolg sorgten.
Während in den 1840er Jahren der teure Rohzucker durch den billigern Rübenzucker verdrängt wurde, und der Handelszweig somit zum erliegen kam, hat sich die Rumindustrie Flensburgs noch lange gehalten.

Von Danewerk bis Düppel

Während der Handel nach außen hin weiter florierte, wuchs im inneren die Unzufriedenheit um die Zugehörigkeit von Schleswig. König Friedrich der VII. beschloß 1848 Schleswig als ein dänisches Landesteil einzubeziehen. wenige Wochen später kam es zum großen Gefecht in der Flensburger Neustadt. Schleswig erhielt kurzzeitig seine eigene Regierung mit dem Sitz in Flensburg. Preußische Truppen unter Feldmarschall Wrangel dringen im Mai in Dänemark ein. Nicht nur allein aus wirtschaftlichen Gründen wollte Flensburg doch noch seine Zugehörigkeit zu Dänemark erhalten. Der wirtschaftliche Erfolg blieb aus und der Druck Dänemarks stieg.
1863 ist es dann der dänische König Christian IX., der versucht Schleswig dem dänischen Staat anzugliedern.
Otto von Bismarck gelingt es als preußischer Ministerpräsidenten Österreich für seine Belange zu gewinnen, die jedoch einen offenen Krieg ausschließen. Es wird jedoch eine gemeinsame Streitmacht unter dem preußischem Generals Wrangel gebildet.
Der Krieg von 1864 brachte Schleswig-Holstein zu seiner Vereinigung mit Preußen und wenige Jahre später in das Deutsche Reich Bismarks. Trotz des wirtschaftlichen Rückschlages des Kriegs blühte Flensburg seit 1875 wieder auf. Es gründeten sich Dampfschifffahrtgesellschaften und die Westindien-Handelsflotte, die nicht mehr unter dem Dannebrog (der dänischen Fahne) nach dänisch-Westindien segeln konnte, fuhr unter deutscher Fahne in die 1655 von den Briten eroberte ehemaligen spanische Kolonie Jamaika.
Die Einwohnerzahl Flensburgs stieg auf 65.000 und die Reeder hatten fast 100 Schiffe zur See.

Flensburger Jamaika Rum

1885 wurde das Reichsmonopolgesetz im Kaiserreich eingeführt, welches die heimischen Brenner durch höhere Steuern für den Rum Import festlegte.
Das Pot-Still-Verfahren wurde entwickelt, wobei die Maische zweimal in Brennblasen aus Kupfer destilliert wird. Nach dem zweiten Brennprozess erreicht das Destillat einen Alkoholgehalt von 60 bis 75 %Vol. bei 2600 bis 6000 Ester, was den Rum vom Aroma um das 40-Fache konzentriert. So entsteht der so genannte Pure-Rum.
Die Importe konnten somit verringert werden um die Steuern zu sparen.
Die unterschiedlichen Typen von Pure-Rum durch Zusätze von Ananas, Bananen, Mangos, Kokos, Orangen und Zitronen eigens für Deutschland hergestellte, besonders aromastarke Konzentrat, sind im Ausland als "German flavoured rum" bekannt.

  • Jamaika Rum Verschnitt
  • Aus diesen Pure-Rum-Sorten werden von den bekannten Rumhäusern nun Cuvées hergestellt. Diese werden mit dem Flensburger Wasser geschmacklich trinkbar gemacht. Für den Alkoholgehalt von mindestens 37,5%Vol. kommt nun geschmacksneutraler 96%tiger heimischer reiner und preiswerterer Agraralkohol hinzu. Dieser so hergestellte Rum mit Alkohol aus Zuckerrohr und Alkohol anderer Art bezeichnet man als "Deutsches Erzeugnis" und "Jamaika Rum Verschnitt". Er wird nach dem Verschneiden noch mal für mindestens ein Jahr in Eichenholzfässern zur Harmonisierung der Alkohole nachgelagert und kommen so zu ihrem vollem Aroma. Das Ergebnis sind milde, runde und wohlschmeckende Flensburger Rums aus Jamaika.
    Dieser Rum-Verschnitt wurde wieder in ganz Europa exportiert und beeinflusste vom hervorragendem Geschmack die Österreicher zur Herstellung Ihres Inländer Rums.
  • Echter Jamaika Rum
  • Die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft machte später möglich Originalrum mit 75% Vol. bei geringer Zollbelastung aus Französisch-Westindien wie Guadeloupe oder Martinique einzuführen. Dieser Rum musste lediglich mit Wasser verdünnten, und somit nicht verschnitten (alkoholisch verändert) werden.
    Aber auch die Cuvées der Pure -Rums konnten mit Wasser auf Trinkstärke herabgesetzt werden und durften mit reinem Alkohol aus Zuckerrohr auf Ihren Alkoholgehalt gebracht werden. Die Herstellung hat man später wegen des völlig zu Unrecht minderwertigen Rufes der Verschnitte bevorzugt.
    Weiterhin konnte in der industriellen Herstellung bei Echten Rums auf die Nachlagerung verzichtet werden.
    Den Neuen "echten Rums" blieb jedoch der schnelle Erfolg gegen den Verschnitt verwehrt, nicht zuletzt wegen des Geschmacks.
    Vor allem bei Heißgetränken wie dem Grog, Pharisäer oder der "Toten Tante" sollte man auf einen Verschnitt zurück greifen. Auch der "Präsident" wird aus diesem Grund heute noch als Verschnitt hergestellt.
  • Original Rum
  • Original-Rum wird aus den Herkunftländern fertig importiert und unverändert abgefüllt und verkauft.

Flensburger Traditionsunternehmen

Viele Namen und Marken der Flensburger Rumgeschichte sind heute noch bekannt. Bommerlunder, Dokator und Flensburger Feuer als Marken, sowie die Rums von Balle, Hansen, Asmussen, Andresen, Sonnberg, Nissen und nicht zuletzt Pott, sind die noch heute bekannten Namen der Traditionsunternehmen. Schon durch das Brennverbot in der Zeit des Nationalsozialismus von 1936 - 1945 wurden die kleineren Unternehmen von den Großen übernommen. Aber auch die stark voranschreitende Industriealisierung führte zu weiteren Fusionen. Der letzte große Hersteller, Hermann G. Detleffsen, in Flensburg produzierte mit Ausnahme von Pott alle anderen Marken bis zum Verkauf der Spirituosenabteilung 1998. Die Tradition der Produktion von Rum-Verschnitten in Flensburg gibt es heute nur noch bei A.H. Johannsen, die seit 1878 die Tradition noch aufrecht erhält.


Und nun zu den Rumhäusern im Detail: [Rumhäuser in Flensburg]

 Liste der Rumhäuser

Balle, Hansen, Sonnberg, Pott sind nur einige der Flensburger Rum-Häuser.

Hier finden Sie alle Rummacher aus der Fördestadt, die den Ruf zur Rumstadt Flensburg mit begründen/ten.

 Was ist eigentlich Rum?

Was ist eigentlich Rum? Auf en.Wikipedia wird es sehr zutreffend beschrieben: "Rum ist ein destilliertes alkoholisches Getränk aus Zuckerrohr Nebenprodukten wie Melasse, oder direkt von Zuckerrohrsaft hergestellt, durch Vergährung und Destillation. Das Destillat, eine klare Flüssigkeit, wird dann in der Regel in Eichenfässern gelagert."
In einigen Ländern, besonders in Deutschland, gibt es strenge Vorschriften was Rum ist, aber die Beschreibung gibt es sehr gut wieder.

Rum wird grundsätzlich dort hergestellt, wo das Zuckerrohr wächst. Das frisch geerntete Zuckerrohr für den "Rhum traditionell" wird zerkleinert und mit einer Zentrifuge von den Zuckerkristallen (für die Zuckerherstellung) befreit. Übrig bleibt eine dickflüssige, sehr süße Melasse, die für den Gährvorgang mit Wasser zur Maische verdünnt werden muss.
Mit dem Zusatz von z.B. Hefe beginnt die Vermentation (Gährung), wobei sich der Zucker in Alkohol und Kohlendioxyd spaltet.
Damit unsere Pure-Rums so esterhaltig und aromatisch werden, wird der bei der Zuckerherstellung entstehende Schaum (gen. Skimming) und der Dunder, ein alkoholfreier Rest eines vorherigen Brandes, mit hinzugefügt.

Nachdem die Maische vergohren ist, folgt nun die Destillation. Der Pure-Rum wird für die Weiterverarbeitung Pot Still in Kupferbrennblasen 2-Fach destilliert, woraus dann eine klare Spirituose von bis zu ca. 86 % Vol. entsteht. Für die Reifung wir dieser weiße Rum für mehrere Jahre in Eichenfässern gelagert. Das Faß und die Länge der Lagerung bestimmen die gelbe- bis bräunliche Färbung und das typische Aroma des Rums.

Das Schaukeln des Rums beim Überseetransport auf Seglern war sicherlich auch noch mal gut für den Rum, der heute auf großen Containerschiffen ruhiger seine Überfahrt erlebt.
Den Veredelungsprozess zu einem Echten oder Verschnitt Rum habe ich im linken Text bereits beschrieben. Um nun einen immer gleich bleibenden Farbton zu erhalten, muss der Rum mit Zuckercouleur zusätzlich gefärbt werden.
Abgefüllt und Etikettiert genießen wir den Rum Pur, als Grog oder in anderen Heißgeträneken, aber auch zur Verfeinerung anderer Lebensmittel.